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Chirurgie in Entwicklungsländern

Aktivitäten und Perspektiven der Deutschen Gesellschaft für Tropenchirurgie e.V.

Das Bild der Entwicklungsländer und speziell Afrikas in den Medien der industrialisierten Welt ist geprägt von Katastrophen und kriegerischen Auseinandersetzungen. Diese nur in Teilen realistische Darstellung drängt das Bewusstsein um die jahrelangen Bemühungen um einen kontinuierlichen Aufbau nationaler Gesundheitssysteme in den Hintergrund. Ziel dieser Anstrengungen ist die Bereitstellung adäquater Gesundheitseinrichtungen auch für die Bevölkerung in dezentralen Regionen. Dabei spielt neben der Präventivmedizin und der sogenannten Basisgesundheitsversorgung auch die operative Medizin eine wichtige Rolle. Das konkrete Ziel ist der Zugang zu einer qualitativ akzeptablen chirurgischen Versorgung für alle Bevölkerungsschichten.

In der Deutschen Gesellschaft für Tropenchirurgie (DTC) hat sich eine Gruppe von Ärzten, zum großen Teil mit persönlichen Erfahrungen in Entwicklungsländern, zusammengefunden, die ihr Engagement, know-how und Erfahrungen zur Verbesserung der operativen Medizin in den Ländern mit strukturellen Defiziten einbringen möchten. Die Aktivitäten orientieren sich an den Bereichen Problemanalyse, Entwicklung von Lösungskozepten und deren Umsetzung.

Die Probleme der chirurgischen Versorgung in afrikanischen Entwicklungsländern sind finanzieller, struktureller, medizinischer und kultureller Natur. Sie betreffen somit die Kosten der operativen Behandlung, die Zugänglichkeit der Einrichtungen, das Wissen um spezielle »tropenchirurgischen« Krankheitsbilder und deren Behandlung sowie die Vermittlung und Akzeptanz moderner Standards an und durch das einheimische Gesundheitspersonal.

Gefördert und unterstützt durch die DTC bzw. einzelne Mitglieder wurden in verschiedenen afrikanischen Staaten Forschungsprojekte und Studien zur OP-Hygiene, Indikationsstellung, Qualitätssicherung, Funktion und Planung von OP-Einrichtungen, angepaßter Technologie, Ultraschalldiagnostik, chirurgischer Epidemiologie sowie zu besonderen Krankheitsbildern wie der Tropischen Pyomyosititis, der hämatogenen Osteomyelitis sowie der Ätiologie und Behandlung des akuten Abdomens durchgeführt. Außerdem hat sich in den letzten Jahren eine engere Zusammenarbeit mit zwei Fachorganisationen »vor Ort« entwickelt: der »Association of Rural Surgeons of India« und der »Association of Surgeons of East Africa« (ASEA). Letztere findet ihren vorläufigen Höhepunkt in der Veranstaltung eines Joint Meetings in Addis Abeba im Dezember 2002. Im Zentrum der Lösungsstrategien für eine umfassende chirurgische Versorgung steht, in Übereinstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation und den relevanten Institutionen der deutschen Entwicklungshilfe, das Distriktkonzept, das eine dezentrale Gesundheitsplanung und Einrichtung autonomer regionaler Gesundheitseinrichtungen zum Ziel hat. Der Ausbau von Distriktkrankenhäusern soll die operative Behandlung der ländlichen Bevölkerung gewährleisten.

Die DTC hat sich in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung für Internationale Entwicklung (DSE) für die Konzeption und Verwirklichung eines zweijährigen Ausbildungsganges für Distriktärzte engagiert, der die notwendigen Kenntnisse für eine operative Behandlung auf dem Boden einfacher und kostengünstiger Methoden unter Einbeziehung von Qualitätssicherungsmaßnahmen vermitteln soll. Konkrete Schritte zur Realisierung und Anerkennung eines solchen Ausbildungsganges sind bisher in Uganda (Mbarara) erfolgt.

Um das Wissen zu angepassten chirurgischen Techniken bei uns zu verbreiten, führt die DTC neben und im Rahmen ihrer Jahreskongresse auch Workshops durch, deren Zielgruppe insbesondere angehende Entwicklungshelfer und in ihre Heimatländer zurückkehrende Medizinstudenten sind. Beiträge zur Chirurgie in Entwicklungsländern sind in zahlreichen Lehrbüchern, Skripten und Publikationen erschienen. Auslandskurse (angepasste chirurgische Methoden, Ultraschall) haben in Ghana, Kameroun, Sambia, Malawi, Uganda und Äthiopien stattgefunden. Unterstützung erfahren wir dabei auch durch den Berufsverband Deutscher Chirurgen sowie durch die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie, deren Arbeitsgemeinschaft CAEL seit 2001 alle Aktivitäten mitträgt.

Nach Selbstverständnis und finanziellen Möglichkeiten (Jahres-Umsatz ca. 5000 Euro !) kann die DTC mit der CAEL kaum eine Trägerorganisation für eigene Projekte sein. Vielmehr will sie allen, die sich für das Thema enagieren möchten, ein Forum für Erfahrungsaustausch und Gespräche bieten.

Prof. Dr. Stefan Post


 

 
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